Das Symposium
Wir haben uns das Ziel gesetzt, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in der Lehre, der Forschung und der Verwaltung der Universität Tübingen zu verankern und mit konkretem Handeln zu füllen. Um das nötige Wissen für einen solchen Wandlungs- und Innovationsprozess zu generieren, organisierten wir im Juni 2008 das Symposium „Greening the University – Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“, das sich mit den Herausforderungen einer nachhaltigen Hochschule auseinandersetzte. RednerInnen waren unter anderem Tanja Gönner (Umweltministerin von Baden-Württemberg) und Prof. Dr. Klaus Töpfer (ehemaliger Executive Director des UN-Umweltprogramms). Eine ausführliche Dokumentation des Symposiums ist 2009 im Oekom-Verlag erschienen. Mehr hierzu…
EMAS – ein Umweltmanagementsystem in Tübingen
Als Resultat des Symposiums wurde ein Umweltmanagementsystem an der Universität Tübingen in Gestalt des europäischen EMAS-Zertifizierungsverfahrens in Gang gebracht. Wir haben Gespräche mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg geführt und den Kontakt zur Universitätsleitung hergestellt. Beim Symposium hat Umweltministerin Gönner finanzielle Unterstützung für diesen Prozess zugesagt. Am 14.07.09 fand die feierliche Übergabe an der Universität Tübingen statt.
Diesen Zertifizierungsprozess begleiten wir nun inhaltlich. Nach der Schaffung der Stelle der Umweltkoordinatorin fand die erste Umweltprüfung der 183 universitären Gebäude statt. Parallel dazu werden Personen in Schlüsselpositionen befragt und geschult. Ein besonderes Anliegen war uns die baldige Verabschiedung der Umweltleitlinien; die Grundlage zukünftiger Maßnahmen zur Ressourceneinsparung im Rahmen des Umweltmanagementsystems EMAS. Wir haben dazu einen Entwurf verfasst und an die Umweltkoordinatorin, Frau Ogrzewalla, weitergegeben. Unser Vorschlag wurde am 25.06.09 vom Senat der Universität Tübingen verabschiedet – ganz ohne Gegenstimmen!
Der EMAS-Prozess wurde im Oktober 2011 mit der Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen. Mit der angestrebten Revalidierung des EMAS-Prozesses im Jahr 2014 wird die Universität Tübingen auch zukünftig in Baden-Württembergs Hochschullandschaft Vorreiter in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sein. Mehr hierzu…
Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre
Parallel zum EMAS-Prozess haben wir bereits durch das Symposium weitere Expertise zum Thema Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre erworben. Wir fordern die Verankerung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der universitären Lehre und Forschung. Bisher hat die Universität Tübingen hier bis auf wenige Ausnahmen nichts zu bieten. Zu einer zukunftsfähigen Universität gehört es aber, zur nachhaltigen Entwicklung durch Handeln, Lehren und Forschen beizutragen.
In diesem Zusammenhang haben wir das im Sommersemester 2009 erstmals stattfindende Studium Oecologicum in Kooperation mit dem Career Service organisiert; ein interdisziplinäres Lehrkonzept in dessen Rahmen Studierende aller Fachrichtungen ihre Kenntnisse rund um den Umweltschutz und Bildung für Nachhaltige Entwicklung vertiefen und ein Zusatzzertifikat erwerben können. Wir fordern, dass Bachelor-Studierende Veranstaltungen aus dieser Reihe innerhalb der Schlüsselqualifikationen anerkennen können.
Um den Diskurs um BNE an Hochschulen und die Umsetzung von BNE in Lehre und Forschung voranzutreiben, organisierten wir im Wintersemester 2009/2010 eine öffentliche Ringvorlesung im Studium Generale der Universität Tübingen unter dem Titel „Nachhaltigkeit im Spiegel der Wissenschaften – Wissenschaften im Spiegel der Nachhaltigkeit“. Für dieses Projekt konnten wir insegsamt 14 ReferentInnen gewinnen, darunter sowohl VertreterInnen der Unversität Tübingen (u.a. die Prorektorin für Studium und Lehre Prof. Dr. Stefanie Gropper) als auch nationale Prominenz (Prof. Dr. Gesine Schwan). Im Jahr 2012 wurde dazu ein Sammelband veröffentlicht.
Unsere erste Auszeichnung
Für unsere Bemühungen um eine nachhaltige Hochschule wurden wir am 17.3.2009 von der Jury des Nationalkomitees der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.
…und noch mehr Projekte
Im Laufe der Jahre entstanden mehr und mehr Projekte und Untergruppen, die sich mit spezifischen Themen auseinandersetzen.
Im Zuge des Jahres der Biodiversität 2010 wurde so die Bunte Wiese von Studierenden und MitarbeiterInnen der Universität Tübingen als eine Initiative zur Förderung der Artenvielfalt auf öffentlichen Grünflächen gegründet. Wir sehen die Bunte Wiese als modellhaftes Projekt für transdisziplinäres wissenschaftliches Arbeiten. Hier betreiben Studierende und WissenschaftlerInnen Grundlagenforschung an konkreten Projekten vor ihrer Haustür. In Kooperation mit gesellschaftlichen Akteuren schaffen sie gemeinsam einen Mehrwert – auch über die Wissenschaft hinaus.
Im selben Jahr bildete sich eine Interessensgruppe von SIGU e.V. heraus, die sich im Rahmen der Umgestaltung der Liegenschaften der Universität Tübingen für einen Grüner Campus der Zukunft stark macht. Im Bezug auf eine nachhaltige Campusentwicklung bedeutet dies für uns, eigene Vorstellungen weiterzuentwickeln, Wissen über nachhaltige Stadtentwicklung zu generieren und dieses sowohl mit den Akteuren und Verantwortlichen des Prozesses, als auch mit den späteren Nutzern, den Studierenden, zu teilen und partizipativ fortzuentwickeln. Dazu gehört auch die Bestrebung um eine nachhaltig gestaltete Mensa. Diese nimmt im universitären Alltag eine wichtige Rolle ein und hinterlässt zugleich einen großen ökologischen Fußabdruck. Ziel ist es, dass sich auch das Studentenwerk Tübingen-Hohenheim in Zukunft am Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung orientiert, welches die Universität bereits gesetzt hat.
Als sehr gewichtiges Projekt hat sich der Beirat für Nachhaltige Entwicklung herausgestellt. Dieser fungiert seit dem Wintersemester 2010/11 als beratendes Gremium des Rektorats. Mittlerweile beschäftigen sich dort nun ProfessorInnen, VertreterInnen der Verwaltung und Studierende mit den Möglichkeiten das Konzept einer BNE an der Universität Tübingen in Form von konkreten Projekten mit Leben zu füllen. Das sind zum Beispiel die jährliche Ausschreibung eines Nachhaltigkeitspreises für Abschlussarbeiten oder auch die Einführung des Veggie Days an einer der Tübinger Mensen.
Wir als MultiplikatorInnen
Wir freuen uns, dass die Wirkkraft unserer Arbeit auch über die Universität Tübingen hinaus an anderen Stellen Anklang findet. Daher hat sich ein großer Teil unseres Engagements in den letzten Jahren auf Netzwerkarbeit sowie die Gestaltung von Workshops und Vorträgen an den unterschiedlichsten Hochschulen in ganz Deutschland gerichtet. Vor allem auch durch die Alumni, SIGU Mitglieder die nach ihrem Studium mittlerweile an anderen Orten wirken, werden die Ideen und Visionen aus Tübingen weiter getragen.